Metanavigation / Stadtporträt deu
Dienstag, 17.07.2018 24°C

Schnellnavigation / Service

Schnellsuche

 

Weitere Informationen

Service

Geschichte im Detail

Bibliotheksgründung und erster Bestandskatalog

Die Gründung der Stadtbibliothek der Hansestadt Lübeck in den Jahren 1616 - 1622 geht auf einen Ratsbeschluss der staatlichen und kirchlichen Obrigkeit zurück. Um 1620 entstand auch die erste per Hand in lateinischer Sprache ausgefertigte Benutzungsordnung. Im Begrüßungswort heißt es dort - aktuell bis heute - dass nicht alle Wissensdurstigen so gestellt seien, dass sie sich alle Bücher kaufen könnten, die zur Allgemeinbildung und Fachkenntnis in einem bestimmten Gebiet nach Meinung der Gelehrten notwendig seien. "So hat ein hoher Rat dieser Freien Reichsstadt schon vor mehreren Jahren den Beschluss gefasst, eine öffentliche Bibliothek einzurichten, jährlich zu vermehren und mit den... notwendigen Büchern auszustatten..." Diese Öffentliche Bibliothek sollte allen Bürgern Lübecks zur Verfügung stehen.

Die Stadtbibliothek erhält das Pflichtexemplarrecht

Ab 1756 wurde in einer neuen Benutzungsordnung festgelegt, dass Pflichtexemplare aller Druckwerke aus dem lübeckischen Staatswesen an die Stadtbibliothek abzuliefern waren. 1759 gewann die Bibliothek durch das Vermächtnis des Hauptpastors von St. Aegidien, Hinrich Scharbau, dessen Handbibliothek mit 6.000 Bänden sowie ein zu verzinsendes Kapital von 16.000 Mark. 1877 erreichte Friedrich Wilhelm Mantels, Hanseforscher, Lehrer am Katharineum und nebenamtlich Bibliotheksleiter, dass der Gebäudekomplex des ehemaligen Klosters um einen Anbau erweitert wurde.

Ein neuer Bibliothekstyp entsteht

Im 19. Jahrhundert war aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung mit der Öffentlichen Bibliothek ein neuer Bibliothekstyp entstanden. 1879 wurde neben der etablierten Stadtbibliothek die Volksbibliothek gegründet, die 1897 in die "Öffentliche Bücher- und Lesehalle" überging. Der Buchbestand wuchs bald auf 11.000 Bände und der eingerichtete Lesesaal, "Lesehalle" genannt, konnte im Jahr rund 18.000 Besucherinnen und Besucher registrieren.

Stadtbibliothek und Öffentliche Bücherhalle unter einer Direktion

1919 wurde ein Bibliothekskonzept erarbeitet, das einen organisatorischen Verbund von Stadtbibliothek, Öffentlicher Bücher- und Lesehalle mit Außenstellen und den Aufbau eines ländlichen Bücherservice (Wanderbücherei) unter einer Direktion (Dr. Willy Pieth) vorsah. Zum System gehörten eine Kinder- und Jugendlesehalle sowie drei Stadtteilbibliotheken (St. Gertrud, weitergeführt als Marli-Bücherei, St. Lorenz und St. Jürgen). Für die Stadtbibliothek dagegen war das größte Ereignis der 1926 fertiggestellte Bibliotheksneubau. 

Kriegsverluste

Nach dem englischen Bombenangriff 1942 wurden die wertvollsten Stücke der Stadtbibliothek wie Inkunabeln, Handschriften u. ä. (ca. 28.000 Bände) nach Sachsen-Anhalt ausgelagert und nach dem Krieg weiter in die UdSSR transportiert. Diese nicht mehr in Lübeck vorhandenen Bücher bedeuten bis heute einen großen Verlust für die Lübecker Kulturgeschichtete. Zurückgekehrt bzw. ersetzt sind 7.818 Bände.

Zusammenlegung von Stadtbibliothek und Öffentlicher Bücherei

Die seit 1950 wieder als unabhängige Bibliothek geführte Öffentliche Bücherei wurde sowohl in der Zentrale in der Königstraße wie auch im Bereich der Stadtteilbibliotheken ausgebaut. Überwiegend gefördert aus Mitteln des Zonenrandprogrammes, entstanden mit der Zeit in verschiedenen Stadtteilen Neubauten. 1974 wurden beide Bibliotheken unter einer Leitung (Dr. Klaus Bock) vereint, um sie zu einer Public Library umzugestalten, der Neubau konnte 1979 bezogen werden. Erstmals gab es in Lübeck eine große Stadtbibliothek, die in ihrer Zentrale allen Bürgerinnen und Bürgern gerecht wurde.